Doktorand*innen aus dem globalen Süden müssen nicht nur die typischen Herausforderungen einer Doktorarbeit meistern, sondern es kommen noch einige zusätzliche Problemstellungen hinzu. Dazu zählen zum einen die fehlenden Kontakte, da es keine Kolleg*innen aus einer gemeinsame Studienzeit an diesem Ort gibt, und eine Erziehung, bei der das Eingestehen von Unwissen als schambehaftet gilt. Zum anderen ist eine vollkommen neue Studienweise zu erlernen, die in hohem Maße auf theologische Eigenständigkeit setzt und daher die Darstellung kirchlicher Positionen nur als einen Teil theologischer Arbeit ansieht. Schließlich macht der hohe Grad an Digitalisierung, welche das gesamte Studium durchdringt, den Studierenden zu schaffen – von einigen Ausnahmen abgesehen –, und auch hier ist der Geist der eigenständigen Suche nach digitaler Weiterbildung zu wecken.
In dieser Situation unterstützt das Projekt die Doktorand*innen mit Hilfe eines Tutors, der ebenso ein Doktorand ist und daher auf Augenhöhe mit ihnen sprechen kann. Da eine Tendenz zur Isolation besteht – ein Austausch jenseits der universitären Treffen ist aufgrund der Einbindung in Pfarreien und Klostergemeinschaften kaum vorhanden –, bietet der Projektmitarbeiter wöchentliche Gruppentreffen an. Diese fördern eine Gemeinschaft, die auch nach Beendigung des Projekts weiterbestehen soll. Ein sich durch alle Bereiche ziehendes Muster ist die Art und Weise, wie (nicht) nach Hilfe gesucht wird. Es ist oft schwierig zu vermitteln, dass es nicht um die Übermittlung von fertigen Lösungen, sondern um Hilfe zur Selbsthilfe geht, was den Doktorand*innen langfristig zu Gute kommt.
Außerdem bietet der Tutor Einzelberatung in Sprechstunden an, um einen vertrauensvollen Austausch zu ermöglichen. Sowohl in der Gruppe als auch in Einzelsprechstunden ist großes Augenmerk darauf zu legen, die Doktorand*innen aus der Zurückhaltung und Passivität herauszuholen hin zur (pro)aktiven Teilnahme an den Treffen und insgesamt an ihrer Forschungsarbeit. Als sehr positiv werten kann man mittlerweile, dass nach wenigen Monaten der regelmäßigen Gruppen- und Einzeltreffen das Vertrauensverhältnis zwischen Tutor und Doktorand*innen so groß ist, dass sich diese – wie sie selbst sagen – Fragen an ihn zu stellen getrauen, die sie aus Scham nie an ihre Betreuer richten würden.
Des Weiteren werden Online-Tutorials zu den meistgestellten Fragen (Zitationsrichtlinien, administrative/organisatorische Fragen, etc.) erstellt. Hierdurch wird zum einen für Lehrende und zukünftige Doktorand*innen ersichtlich, welche Probleme besonders häufig auftreten. Zum anderen wird ein niederschwelliges Unterstützungsangebot aufgebaut. Bezüglich der Zitationsrichtlinien werden digitale Testformate konzipiert, damit Doktorand*innen das erworbene Wissen selbst abprüfen und festigen können.
Jedoch ist auch klar festzustellen, dass alle Doktorand*innen mit großer Begeisterung an ihrem jeweiligen Thema forschen. Hierin kann eine Lehrstrategie gesehen werden. Wenn nämlich bei der Beantwortung von Fragen auf das jeweils eigene Thema Bezug genommen wird, stößt man bei den Doktorand*innen rasch auf Verständnis. Eine allgemeine Beantwortung von Fragen, die im Gruppensetting oft üblich ist, wirkt dagegen oft zu abstrakt bzw. wird seltener auf das eigene Forschungsthema projiziert.
Es ist oft eine gewisse Scheu zu beobachten, Begriffe oder Probleme durch eine Online-Recherche eigenständig zu lösen. Oft erwarten die Doktorand*innen, dass Links zu diversen Informationen weitergeleitet werden oder sie fotografieren die URL-Adressen, ab, anstatt selbstständig die Seiten über Suchmaschinen zu suchen.
Die digitalen Kompetenzen sind teilweise sehr ausbaufähig. Der Umgang mit Microsoft Office-Programmen ist außerhalb von Word sehr rudimentär – es fehlen Kompetenzen in PowerPoint und in den erweiterten Funktionen von Word. Vereinzelt sind Doktorand*innen aber auch recht firm bei der Nutzung der Programme. Hierdurch entsteht aber wiederum in der Gruppe eine gewisse Scham bei den weniger Kompetenten, ihre vorhandenen Wissenslücken offen anzusprechen.Interessant ist auch hier die Herangehensweise an die Probleme. Hält ein*e Doktorand*in eine gelungene Präsentation mit Power Point, so wird er*sie nicht gefragt, wie diese erstellt wurde, sondern er*sie wird anschließend um Zusendung der Präsentation gebeten, damit die Doktorand*innen diese dann mit eigenen Inhalten befüllen können.
Auffällig ist, dass eigenständiges theologisches Arbeiten sehr an der Wiedergabe von Inhalten orientiert ist. Einzelne lehramtliche Positionen können wiedergegeben werden, anderweitige Quellen werden nur sehr zögerlich herangezogen. Überhaupt ist der erste Schritt der eigenständigen Forschung oft die Recherche, was das Lehramt zum jeweiligen Thema sagt. Darüber hinaus fällt es manchen schwer, zusätzliche v.a. wissenschaftliche Quellen heranzuziehen. Es fehlt oft an der nötigen Urteilsfähigkeit, wissenschaftliche von nicht-wissenschaftlichen Texten zu unterscheiden.






